Cornelia Burgert
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Veröffentlichung: 23.09.2011


Newsletter September 2011

Das FFGZ e.V. Berlin ist jetzt auf Facebook
Ab sofort sind wir mit Informationen und Terminen auf Facebook zu finden.

Hormontherapie in den Wechseljahren wird immer weniger verordnet
Die Warnungen über die gesundheitlichen Risiken wirken. Nur noch jede zehnte 45- bis 65-jährige Frau bekam 2010 Hormone verordnet, im Jahr 2000 waren es noch knapp 40 Prozent, so der aktuelle Gesundheitsreport der Techniker Krankenkasse. Auch der Arzneiverordnungsreport 2011 bestätigt den kontinuierlichen Abwärtstrend der Hormoneinnahme um 70 Prozent seit 1999. Dies ist nicht nur der Women´s Health Initiative-Studie, die die gesundheitlichen Risiken der Hormontherapie klar und deutlich aufzeigte und damit endlich ein Umdenken einleitete, sondern auch dem kritischen Bewusstsein betroffener Frauen zu verdanken.
Unser Tipp: Ausgewogene Ernährung, ausreichende und gezielte Bewegung und ggfls. Stressreduktion gelten als beste Mittel der Wahl, um gut durch die Wechseljahre zu kommen. Hormonpräparate sollten Sie nur bei belastenden Wechseljahresbeschwerden nehmen, wenn andere Maßnahmen und naturheilkundliche Methoden nicht wirken, nach einer Nutzen-Risiko-Abwägung und so niedrig dosiert und kurz wie möglich. Ausführliche Informationen rund um dieses Thema finden Sie in unserer Broschüre
"Wechseljahre - Praktische Begleitung für diese Lebensphase".

Zu viele HPV-Tests
Eine neue Studie in den USA besagt, dass zu viele insbesondere junge Frauen unter 30 einen HPV-Test bekommen, oft gleichzeitig mit einem Pap-Abstrich. Doch das ist sehr umstritten, da viele Frauen hpv-positiv sind, ohne dass sie jemals aufgrund dessen Zellveränderungen am Gebärmutterhals entwickeln. Gleichzeitig führt ein positives Testergebnis zu Überbehandlungen wie unnötigen Biopsien oder Konisationen. Mehr zu dem Thema Krebsvorsorge, HPV-Infektionen und HPV-Impfung finden Sie in der neuen
clio 73, die im November erscheint und die Sie jetzt schon bestellen können.

Die Zahl der Gebärmutterentfernungen ist unvermindert zu hoch
Epidemiologen der Universität Wittenberg-Halle zeigen in einer Analyse starke regionale Schwankungen in der Entfernung der Gebärmutter (Hysterektomie) auf. In den Jahren 2005 und 2006, neuere Daten gibt es nicht, wurden 305.000 derartige Operationen durchgeführt, häufig wegen Myomen oder Senkungen. Doch während in Hamburg "nur" 213 Eingriffe umgerechnet auf 100.000 Personenjahre vorgenommen wurden, waren es in Mecklenburg-Vorpommern 361 Hysterektomien bei gutartigen Erkrankungen. Die Unterschiede sind offensichtlich nicht medizinisch, sondern regional bedingt. In den Stadtstaaten Hamburg, Berlin und Bremen, wo am wenigsten Gebärmutterentfernungen zu verzeichnen sind, wollen immer mehr Frauen, wenn überhaupt, minimal-invasiv und organerhaltend operiert werden.

Neue Erkenntnisse zum Mammografie Screening und seinen Auswirkungen auf die Sterblichkeit an Brustkrebs
In den meisten europäischen Ländern ist die Brustkrebssterblichkeit gesunken. Dies ist einer Untersuchung des British Medical Journal (BMJ 2011; 343: d4411) zufolge allerdings, wenn überhaupt, nur zu einem geringen Anteil der Einführung der Mammografie zu verdanken.
Philippe Autier und Mitarbeiter werteten Daten der WHO-Datenbank zu Todesursachen und Screening, Krebsbehandlung und Risikofaktoren für Brustkrebssterblichkeit aus. Die Länder hatten die Screening-Programme im Abstand von 10 bis 15 Jahren eingeführt. Von 1989 bis 2006 sank die Brustkrebssterblichkeit in Nordirland um 29% und in der Republik Irland um 26 %, in den Niederlanden um 25%, in Belgien um 20 %, in Schweden um 16% und in Norwegen um 24%. Daraus schließen die Wissenschaftler, dass das Screening keine direkt Rolle bei der Reduzierung der Brustkrebssterblichkeit spielt. Die Senkung der Sterblichkeit wird im Wesentlichen der Verbesserung der Qualität der Versorgung zugesprochen.
Der erfreulichen Senkung der Brustkrebssterblichkeit steht allerdings ein starker Anstieg der Diagnosen seit Einführung des Screenings gegenüber. Die neuen Zahlen des Krebsregisters der ostdeutschen Bundesländer zeigen einen Anstieg der Diagnosen seit Einführung des Mammografie-Screenings um 40 Prozent von 206,7 auf 289,3 je 100 000 Frauen. Auch die nicht-invasiven Diagnosen, sogenannte In-situ-Tumore, lagen im Jahr 2008 mit 43,3 je 100.000 mehr als doppelt so hoch wie die des Vor-Screening-Zeitraums mit 19 je 100 000. (GKR Berlin, Juni 2011). Nach neuesten Erkenntnissen ist darin ein hoher Anteil an Überdiagnosen enthalten. Dies sind Formen von Brustkrebs, die nie gefährlich würden, wenn sie unerkannt bleiben. Diese Ergebnisse bestätigen, dass Frauen genau für sich abwägen sollten, welche Vor- und Nachteile die Teilnahme am Screening für sie hat.

Unnötige Gesundheitsleistungen (IGeL) für 1,5 Milliarden Euro
Sie gelten als fragwürdig oder nutzlos, deshalb werden sie von den Krankenkassen nicht erstattet. Trotzdem werden sie nach Schätzungen des Deutschen Instituts für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) in der Höhe von 1,5 Milliarden Euro jährlich in Deutschland angeboten. Das Glaukom-Screening auf Grünen Star ist mit bis zu 40% der Angebote die häufigste IGeL-Leistung. Vernünftige Studien, die einen Nutzen der Augeninnendruckmessung im Rahmen des Glaukom-Screenings belegen, finden sich nicht. Der zweithäufigste IGeL, der vaginale Ultraschall auf Eierstock- und Gebärmutterkrebs, nutzt ebenfalls wenig, sondern führt im Gegenteil zu vielen unnötigen Eingriffen. Nur bei einer von 20 Operationen aufgrund der Ultraschall-Diagnostik findet sich tatsächlich Krebs.


Termine:
Das Wochenende
"Mut zur Selbstheilung - Körperorientierte Visualisierung nach der Methode Wildwuchs" findet von Freitag 4.11. bis Sonntag 6.11. im FFGZ statt. Mehr Informationen dazu finden Sie auf unserer Website www.ffgz.de, eine frühzeitige Anmeldung sichert Ihnen einen Platz.

Anlässlich des Erscheinens des ersten und bisher einzigen Frauengesundheitsberichts vor zehn Jahren findet die Fachtagung "Zur Zukunft der Frauengesundheit - 10 Jahre Frauengesundheitsbericht" am 29. und 30. September in Berlin statt. Näheres auf http://www.nationales-netzwerk-frauengesundheit.de/

Der Arbeitskreis Frauengesundheit in Medizin, Psychotherapie und Gesellschaft (AKF) veranstaltet am 5. und 6.11.2011 seine Jahrestagung "Gesichter der Frauengesundheit: Diskussionen und Standpunkte", Näheres unter http://akf2011.wordpress.com/anmeldung/


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