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Hormontherapie
in den Wechseljahren wird immer weniger verordnet
Die Warnungen über die gesundheitlichen Risiken wirken. Nur
noch jede zehnte 45- bis 65-jährige Frau bekam 2010 Hormone
verordnet, im Jahr 2000 waren es noch knapp 40 Prozent, so der
aktuelle Gesundheitsreport der Techniker Krankenkasse. Auch der
Arzneiverordnungsreport 2011 bestätigt den kontinuierlichen
Abwärtstrend der Hormoneinnahme um 70 Prozent seit 1999.
Dies ist nicht nur der Women´s Health Initiative-Studie,
die die gesundheitlichen Risiken der Hormontherapie klar und deutlich
aufzeigte und damit endlich ein Umdenken einleitete, sondern auch
dem kritischen Bewusstsein betroffener Frauen zu verdanken.
Unser Tipp: Ausgewogene Ernährung, ausreichende und gezielte
Bewegung und ggfls. Stressreduktion gelten als beste Mittel der
Wahl, um gut durch die Wechseljahre zu kommen. Hormonpräparate
sollten Sie nur bei belastenden Wechseljahresbeschwerden nehmen,
wenn andere Maßnahmen und naturheilkundliche Methoden nicht
wirken, nach einer Nutzen-Risiko-Abwägung und so niedrig
dosiert und kurz wie möglich. Ausführliche Informationen
rund um dieses Thema finden Sie in unserer Broschüre "Wechseljahre
- Praktische Begleitung für diese Lebensphase".
Zu
viele HPV-Tests
Eine neue Studie in den USA besagt, dass zu viele insbesondere
junge Frauen unter 30 einen HPV-Test bekommen, oft gleichzeitig
mit einem Pap-Abstrich. Doch das ist sehr umstritten, da viele
Frauen hpv-positiv sind, ohne dass sie jemals aufgrund dessen
Zellveränderungen am Gebärmutterhals entwickeln. Gleichzeitig
führt ein positives Testergebnis zu Überbehandlungen
wie unnötigen Biopsien oder Konisationen. Mehr zu dem Thema
Krebsvorsorge, HPV-Infektionen und HPV-Impfung finden Sie in der
neuen clio
73,
die im November erscheint und die Sie jetzt schon bestellen können.
Die
Zahl der Gebärmutterentfernungen ist unvermindert zu hoch
Epidemiologen der Universität Wittenberg-Halle zeigen in
einer Analyse starke regionale Schwankungen in der Entfernung
der Gebärmutter (Hysterektomie) auf. In den Jahren 2005 und
2006, neuere Daten gibt es nicht, wurden 305.000 derartige Operationen
durchgeführt, häufig wegen Myomen oder Senkungen. Doch
während in Hamburg "nur" 213 Eingriffe umgerechnet
auf 100.000 Personenjahre vorgenommen wurden, waren es in Mecklenburg-Vorpommern
361 Hysterektomien bei gutartigen Erkrankungen. Die Unterschiede
sind offensichtlich nicht medizinisch, sondern regional bedingt.
In den Stadtstaaten Hamburg, Berlin und Bremen, wo am wenigsten
Gebärmutterentfernungen zu verzeichnen sind, wollen immer
mehr Frauen, wenn überhaupt, minimal-invasiv und organerhaltend
operiert werden.
Neue
Erkenntnisse zum Mammografie Screening und seinen Auswirkungen
auf die Sterblichkeit an Brustkrebs
In den meisten europäischen Ländern ist die Brustkrebssterblichkeit
gesunken. Dies ist einer Untersuchung des British Medical Journal
(BMJ 2011; 343: d4411) zufolge allerdings, wenn überhaupt,
nur zu einem geringen Anteil der Einführung der Mammografie
zu verdanken.
Philippe Autier und Mitarbeiter werteten Daten der WHO-Datenbank
zu Todesursachen und Screening, Krebsbehandlung und Risikofaktoren
für Brustkrebssterblichkeit aus. Die Länder hatten die
Screening-Programme im Abstand von 10 bis 15 Jahren eingeführt.
Von 1989 bis 2006 sank die Brustkrebssterblichkeit in Nordirland
um 29% und in der Republik Irland um 26 %, in den Niederlanden
um 25%, in Belgien um 20 %, in Schweden um 16% und in Norwegen
um 24%. Daraus schließen die Wissenschaftler, dass das Screening
keine direkt Rolle bei der Reduzierung der Brustkrebssterblichkeit
spielt. Die Senkung der Sterblichkeit wird im Wesentlichen der
Verbesserung der Qualität der Versorgung zugesprochen.
Der erfreulichen Senkung der Brustkrebssterblichkeit steht allerdings
ein starker Anstieg der Diagnosen seit Einführung des Screenings
gegenüber. Die neuen Zahlen des Krebsregisters der ostdeutschen
Bundesländer zeigen einen Anstieg der Diagnosen seit Einführung
des Mammografie-Screenings um 40 Prozent von 206,7 auf 289,3 je
100 000 Frauen. Auch die nicht-invasiven Diagnosen, sogenannte
In-situ-Tumore, lagen im Jahr 2008 mit 43,3 je 100.000 mehr als
doppelt so hoch wie die des Vor-Screening-Zeitraums mit 19 je
100 000. (GKR Berlin, Juni 2011). Nach neuesten Erkenntnissen
ist darin ein hoher Anteil an Überdiagnosen enthalten. Dies
sind Formen von Brustkrebs, die nie gefährlich würden,
wenn sie unerkannt bleiben. Diese Ergebnisse bestätigen,
dass Frauen genau für sich abwägen sollten, welche Vor-
und Nachteile die Teilnahme am Screening für sie hat.
Unnötige
Gesundheitsleistungen (IGeL) für 1,5 Milliarden Euro
Sie gelten als fragwürdig oder nutzlos, deshalb werden sie
von den Krankenkassen nicht erstattet. Trotzdem werden sie nach
Schätzungen des Deutschen Instituts für Medizinische
Dokumentation und Information (DIMDI) in der Höhe von 1,5
Milliarden Euro jährlich in Deutschland angeboten. Das Glaukom-Screening
auf Grünen Star ist mit bis zu 40% der Angebote die häufigste
IGeL-Leistung. Vernünftige Studien, die einen Nutzen der
Augeninnendruckmessung im Rahmen des Glaukom-Screenings belegen,
finden sich nicht. Der zweithäufigste IGeL, der vaginale
Ultraschall auf Eierstock- und Gebärmutterkrebs, nutzt ebenfalls
wenig, sondern führt im Gegenteil zu vielen unnötigen
Eingriffen. Nur bei einer von 20 Operationen aufgrund der Ultraschall-Diagnostik
findet sich tatsächlich Krebs.
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