Unsere Gesundheit ist nicht verhandelbar!
Liebe Unterstützer:innen, Freund:innen und Mitstreiter:innen,
die ambulante gynäkologische Versorgung in Deutschland steht vor einem historischen Einschnitt. Mit dem GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz, das im Juli 2026 verabschiedet wurde und ab 1. Januar 2027 in Kraft tritt, drohen massive Kürzungen, die die gesundheitliche Versorgung von Frauen und weiteren Nutzer:innen von gynäkologischen Leistungen unmittelbar gefährden. Aus unserer Sicht sind diese Entwicklungen höchst problematisch!
Was ist geplant?
Das sogenannte GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz sieht milliardenschwere Einsparungen im Gesundheitswesen vor. Rund drei Viertel der Entlastungen sollen durch Ausgabenbegrenzungen bei Leistungserbringenden erzielt werden.
Ab 2027 werden bislang extrabudgetär vergütete Leistungen wieder in die mengenbegrenzte morbiditätsbedingte Gesamtvergütung (MGV) überführt. Betroffen sind zentrale Bereiche der Frauengesundheit:
- Krebsfrüherkennung
- Endometriose-Behandlung
- Schwangerenvorsorge
- Akute gynäkologische Beschwerden
- Betreuung in den Wechseljahren
- Verhütungsberatung
- Impfprävention
Der Berufsverband der Frauenärztinnen und Frauenärzte (BVF) warnt: Bundesweit könnten bis zu 3,5 Millionen kurzfristig verfügbare frauenärztliche Termine pro Jahr entfallen!
Die verheerenden Folgen
Die Hürden für eine gynäkologische Versorgung sind - wie wir im FFGZ nur allzu gut wissen - jetzt schon enorm hoch. Viele unserer Nutzer:innen warten Wochen auf einen Termin. Im ländlichen Raum ist ein Wechsel der gynäkologischen Praxis oft unmöglich, in Städten reine Glückssache.
Mit den geplanten Kürzungen verschärft sich diese Situation dramatisch:
- Noch längere Wartezeiten auf Vorsorge- und Behandlungstermine
- Weniger Prävention: Krebsfrüherkennung und Schwangerenvorsorge könnten nur noch eingeschränkt angeboten werden
- Verzögerte Diagnosen: Auffällige Befunde werden später erkannt, Erkrankungen im fortgeschrittenen Stadium behandelt
- Zweiklassenmedizin: Viele Praxen werden wirtschaftlich gezwungen sein, Leistungen nur noch für Selbstzahler:innen anzubieten oder Privatsprechstunden auszuweiten
- Besonders betroffene Gruppen: Betroffene von Endometriose, in den Wechseljahren oder mit akuten gynäkologischen Beschwerden erhalten weniger Beratung und Behandlung
Warum das Thema feministisch ist
Frauengesundheit wurde historisch marginalisiert, pathologisiert und als „weniger wichtig" behandelt – die geplanten Kürzungen setzen diese Tradition fort, indem spezifische Gesundheitsbedürfnisse von Frauen und queeren Menschen als verzichtbar behandelt werden, während strukturelle Ungleichheiten ignoriert werden. Aus feministischer Perspektive ist klar: Frauengesundheit ist gesellschaftliche Infrastruktur, keine optionale Dienstleistung; Prävention und Vorsorge sind Investitionen, keine Kosten.
Der Abbau von Versorgung trifft besonders vulnerable Gruppen wie Alleinerziehende, Frauen mit Migrationsgeschichte, gewaltbetroffene und finanziell benachteiligte Frauen.
Gesundheitliche Selbstbestimmung erfordert zugängliche, bezahlbare, wohnortnahe Versorgung! Frauengesundheit ist kein Nischenthema – und darf nicht zur Sparmasse werden.
Jetzt aktiv werden: Petition mitzeichnen!
Der BVF hat die Petition „Frauengesundheit sichern" beim Deutschen Bundestag eingereicht. Sie fordert gezielte Korrekturen am GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz, um die ambulante frauenärztliche Versorgung verlässlich abzusichern.
Die Petition kann bis zum 07. Oktober 2026 online mitgezeichnet werden.
Hier gehts zur Petition!
Frauengesundheit braucht verlässliche Versorgung – jetzt und in Zukunft!
Euer Feministisches Frauengesundheitszentrum Berlin
Hinweis: Die Mitzeichnungsfrist für die Petition endet am 07.10.2026. Jede Unterschrift zählt!
Aktuelle Veranstaltungen im FFGZ:
Onlineveranstaltung: Ganzheitlich informiert – Von Diagnose bis Therapie von Endometriose
Montag, 14.09.2026 18:00 Uhr (online)
Wir sprechen über die schulmedizinische Diagnostik und alternative Behandlungsoptionen. Dabei werden auch mögliche Zusammenhänge und Hintergründe der Erkrankung beleuchtet. Im Sinne des Selbsthilfeansatzes gibt es Raum für Austausch.
Infos und Anmeldung
Schilddrüse - kleines Organ mit großer Wirkung
Mittwoch, 16.09.2026 18:00 Uhr (vor Ort)
Wir informieren Sie über Funktion und Bedeutung der Schilddrüse, wie es zu den unterschiedlichen Störungen kommt und welchen Einfluss dies auf den gesamten Stoffwechsel hat. Angesprochen werden ebenfalls die unterschiedlichen Behandlungsmethoden und was Sie selbst tun können, um die Schilddrüsenfunktion zu unterstützen.
Infos und Anmeldung
Online: Frühe Wechseljahre/Perimenopause - was ist gerade bei mir los?
Donnerstag, 17.09.2026 18:00 Uhr (online)
Wenn die Wechseljahre um das 40. Lebensjahr (oder früher) beginnen, sind die Betroffenen oft verunsichert. Wir machen uns auf Spurensuche nach Ursachen, Symptomatiken, Behandlungsansätze und Möglichkeiten, einen guten eigenen Weg zu finden.
Infos und Anmeldung
Kraftquelle Gesunder Darm
Montag, 21.09.2026 18:00 Uhr (vor Ort)
Wie der Darm funktioniert, wie eine gesunde Darmfunktion gefördert werden kann und welchen Einfluss sie auf das Reizdarmsyndrom und andere Darmerkrankungen hat, erfahren Sie in dieser Veranstaltung.
Infos und Anmeldung
Viva la Vulva – empowert und selbstbestimmt. Workshopreihe: Let‘s go deeper
Donnerstag , 24.09.2026 18:00 Uhr (vor Ort)
Vertiefung von Körperwissen: Klitorale Anatomie, Beckenbodenbasics, Squirting und Co.
Infos und Anmeldung
Weitere Termine und Themen der Viva la Vulva Workshopreihe hier