Neue Leitlinie, alte Versorgungslücken, unser gemeinsamer Weg
Zum Endometriosetag am 29.September 2025 wollen wir mit euch den Blick auf eine Erkrankung richten, die Millionen betrifft – und die dennoch (immer noch!) viel zu lange unsichtbar bleibt: Endometriose.
Während die Realität für viele Betroffene von langen Diagnosedauern, fehlender Anerkennung und unzureichenden Behandlungsangeboten geprägt ist, wurde im Juni 2025 die S2k-Leitlinie ‚Diagnostik und Therapie der Endometriose‘ aktualisiert. Sie bündelt aktuelle Forschung und Empfehlungen – doch die Forschungsgrundlage ist weiterhin nicht ausreichend, der Weg von Papier in die tatsächliche Versorgung bleibt lang und spürbare Verbesserungen lassen vielerorts noch auf sich warten.
Was ist neu in der Endometriose-Leitlinie 2025?
Am 10. Juni 2025 wurde die aktualisierte S2k-Leitlinie „Diagnostik und Therapie der Endometriose“ (AWMF 015-045) veröffentlicht. Sie löst die Fassung von 2020 ab und bringt wichtige Neuerungen mit sich: - Aktualisierte Empfehlungen und Statements – alle Kapitel sind jetzt auf dem neuesten Stand der Forschung.
- Erweitertes Therapiekapitel – neue Abschnitte zu Schmerztherapie, psychosomatischer Begleitung, komplementären Verfahren und multimodalen Therapieansätzen.
- Definition der multimodalen Therapie bei Endometriose – erstmals präzise beschrieben: Medikamente, Physiotherapie, Psychotherapie u.. a. werden kombiniert, abgestimmt und eng vernetzt.
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Mehr Beteiligung – zehn weitere Fachgesellschaften sowie erstmals eine Patient:innengruppe (Endo-Help, Schweiz) haben mitgewirkt. Die Perspektive von Betroffenen ist damit Teil der Leitlinie. -
Neue Struktur – das Inhaltsverzeichnis folgt nun ICD-10-Codes, spezielle Patient:innensituationen werden diskutiert, Mandatsträger*innen klar definiert. Warum das wichtig ist
Die Leitlinie macht deutlich: Endometriose ist nicht nur eine gynäkologische sondern eine systemische Erkrankung. Sie betrifft also den gesamten Körper, die Psyche und das soziale Leben. Für eine gute Versorgung braucht es eine geregelte, ineinandergreifende Versorgungsstruktur und interdisziplinäre Zusammenarbeit in spezialisierten Zentren, die medizinische und psychosoziale Unterstützung zusammenführen.
Was das für Betroffene bedeutet - Ein ganzheitliches Therapiekonzept ist nun offiziell in der Leitlinie verankert. Das gibt Betroffenen ein starkes Argument in der ärztlichen Praxis – auch weil die leitlinienkonforme Umsetzung vielerorts noch fehlt und die Behandlung stark von einzelnen Behandler:innen abhängt.
- Bei chronischen Schmerzen wird ausdrücklich ein multimodales Vorgehen empfohlen. Das schafft eine Grundlage, um spezialisierte Angebote einzufordern, auch wenn diese bisher oft schwer zugänglich sind. Damit Betroffene von den neuen Empfehlungen tatsächlich profitieren, ist es entscheidend, dass multimodale und psychosoziale Therapieangebote verbindlich in die Regelversorgung aufgenommen und als Kassenleistung abrechenbar werden.
- Die Beteiligung einer Patient*innengruppe ist ein wichtiger Schritt: Zum ersten Mal fließt die Perspektive von Betroffenen direkt in die Leitlinie ein. Das ist nicht die Lösung aller Probleme, aber ein Türöffner für mehr Mitbestimmung.
Aber: Versorgungslücken bleiben bestehen
So wertvoll die Leitlinie ist – die Realität vieler Betroffener sieht anders aus. Noch immer gibt es: - jahrelange Diagnose-Odysseen
- kaum bis keine Aufklärung bei (Verdachts-)Diagnose
- zu wenig kompetente und kostenlose Behandlungsangebote,
- regionale Unterschiede bei der Versorgung,
- fehlende Anerkennung der enormen Belastung durch Schmerzen, Fertilitätsproblemen und Alltagseinschränkungen.
Das ist der Gender Health Gap in Reinform: eine chronische Erkrankung, die Millionen betrifft und dennoch systematisch unterschätzt bleibt.
Die Leitlinie 2025 ist kein Garant für bessere Versorgung – aber sie schafft die Grundlage, um Rechte von Betroffenen zu stärken, Fachkreisen Versorgungslücken klar aufzuzeigen und Politik wie Gesellschaft in die Verantwortung zu nehmen, die nötigen strukturellen Veränderungen endlich umzusetzen.
Sichtbarkeit & Selbsthilfe
Endometriosebetroffene leisten unsichtbare Entlastungsarbeit für das Gesundheitssystem: - Sie eignen sich Wissen an,
- tauschen sich aus,
- verbreiten Informationen über Social Media,
- unterstützen einander solidarisch.
Wir sehen diese Arbeit! Sie ist unverzichtbar – und gleichzeitig Ausdruck davon, wie Versorgungslücken durch Selbsthilfe aufgefangen werden müssen.
Was wir im FFGZ tun: - Versorgungslücken füllen durch Wissensvermittlung und Unterstütung
- Empathische, ganzheitliche Beratungen, die Körper, Psyche und Lebensumstände gleichermaßen berücksichtigen.
- Online-Infoveranstaltungen, weil mangelnde Bewegungsfreiheit oft Teil des Krankheitsbilds ist und wir Barrieren abbauen wollen.
- Wissensvermittlung ohne Kommerz – wir filtern seriöse Hilfsmittel und unterstützen euch dabei, hilfreiche Strategien im Umgang mit Beschwerden zu finden.
Unser Auftrag: Da sein, Wissen teilen, empowern und auch mal laut sein
Solange Endometriose ignoriert, verharmlost oder still „wegmedikalisiert“ wird, machen wir uns stark: - als Sprachrohr für Betroffene,
- als Filter zwischen Kommerz und echter Hilfe,
- als Ort der Sichtbarkeit.
Macht mit! Kommt vorbei! Tauscht euch aus!
Unsere Onlineveranstaltungen zum Thema:
Onlineveranstaltung: Ganzheitlich informiert – Von Diagnose bis Therapie von Endometriose
Mittwoch, 17.09.2025 18:00 Uhr
Wir sprechen über die schulmedizinische Diagnostik und alternative Behandlungsoptionen. Dabei werden auch mögliche Zusammenhänge und Hintergründe der Erkrankung beleuchtet. Im Sinne des Selbsthilfeansatzes ist Raum für Austausch und Diskussion vorgesehen, um Erfahrungen zu teilen und gegenseitig von Erfahrungswissen zu profitieren.
Infos und Anmeldung
Onlineveranstaltung: Endometriose, Psyche und Alltag
Mittwoch, 24.09.2025 18:00 Uhr
Wir wollen den Raum öffnen für ein breiteres Verständnis für die Zusammenhänge zwischen ihrer Erkrankung, ihrer psychischen Gesundheit und ihrem Alltag. Im Fokus stehen durch einen ersten Überblick die Stärkung der Selbstwirksamkeit und die Perspektive auf ganzheitliche Bewältigungsstrategien. Im Sinne des Selbsthilfeansatzes ist Raum für Austausch und Diskussion vorgesehen, um Erfahrungen zu teilen und gegenseitig von Erfahrungswissen zu profitieren.
Infos und Anmeldung
NEUE Veranstaltungen zum Thema:
Endometriose - Gemeinsam stärker: Ein Abend der Selbsthilfe und Empowerment
Dienstag, 07.10.2025 18:00 Uhr Präsenzveranstaltung!
In Kooperation mit der Berliner Selbsthilfegruppe liegt der Fokus auf Selbsthilfe und Empowerment für Betroffene. Es wird Raum für Austausch und Diskussion geben.
Online: Schmerzbewältigung bei Endometriose
Montag, 10.11.2025 18:00 Uhr Onlineveranstaltung!
Die Veranstaltung findet in Kooperation mit Dr. Klinger (Klinikum Havelhöhe) statt. Dr. Klinger wird ihre Expertise in integrativer Schmerzmedizin teilen und Einblicke in das tagesklinische Angebot zur multimodalen Schmerztherapie bei Endometriose geben.
Weitere unterstützende Angebote bei uns:
Kraftquelle Gesunder Darm: Noch freie Plätze!
Montag, 15.09.2025 18:00 Uhr Wie der Darm funktioniert, wie eine gesunde Darmfunktion gefördert werden kann und welchen Einfluss sie auf das Reizdarmsyndrom und andere Darmerkrankungen hat, erfahren Sie in dieser Veranstaltung.
Infos und Anmeldung
Traumasensibles Yoga zum Kennenlernen
Samstag, 20.09.2025 10:00 Uhr
Traumasensibles Yoga lädt zum bewussten Spüren und Da-Sein ein. Als wahrnehmungsorientierte, ganzheitliche Erfahrung regt die traumasensible Yoga-Praxis eine achtsame, präsente Beziehung zum Körper an. Somit eröffnen sich Wege, im Umgang mit traumabezogenen Symptomen natürliche Ressourcen zur Selbstfürsorge zu erspüren und Selbstwirksamkeit zu erfahren. Dieser Workshop ist eine Einführung mit praktischen Übungen.
Infos und Anmeldung
(Hormonfrei) verhüten im FFGZ:
Zykluswissen und Verhütungskompetenz (Workshop über 2 Abende)
Mi 17.09. / 22.10. 18.00 – 20.00 Uhr
Nach Abschluss der Zyklusreihe wirst Du in der Lage sein, deinen Zyklus auf die fruchtbaren Tage hin zu beurteilen. Durch Zykluskompetenz können wir selbstbestimmt verhüten und selbstbestimmt schwanger werden.
Infos und Anmeldung
Welches Verhütungsmittel passt zu mir
Mittwoch, 24.09.2025 18:00 Uhr
Spirale, Portiokappe, Pille - Welches Verhütungsmittel passt zu mir?
Dieser Input bietet die Möglichkeit sich die verschiedenen Verhütungsmethoden noch mal genauer anzuschauen – welche Verhütungsmittel gibt es eigentlich, was muss ich beachten und welches passt eigentlich am besten in meinen Alltag, meine Sexualität und zu meinen Bedürfnissen?
Infos und Anmeldung
Diaphragma und Portiokappe: Unser Rundumworkshop mit individueller Anpassung
In unserem Rundumworkshop werden Handhabung und Wirkungsweise der Verhütungsmittel erklärt, das Mittel der Wahl individuell angepasst und die Anwendung erlernt. Mehr Infos und aktuelle Termine findet ihr hier
Publikationen vom FFGZ zum Thema:
Clio Nr. 97 „Schmerzfrei leben?! Schmerzen verstehen und behandeln lernen“ Die Ausgabe greift verschiedene Schmerzformen auf – von Endometriose- über Menstruationsschmerzen bis hin zu chronischen Schmerzsyndromen – und zeigt, wie körperliche, seelische und gesellschaftliche Aspekte von Schmerz zusammenhängen. Sie bietet praxisnahe Ansätze für den Umgang mit Schmerzen und passt damit besonders gut zum Endometriosetag. Infos und bestellen Info - Broschüre: „Endometriose verstehen – meinen Weg gehen“ In der Broschüre werden aktuelle Erkenntnisse zu möglichen Ursachen, erfolgreiche Behandlungswege von erfahrenen Unterstützerinnen und viele Selbsthilfetipps, u.a. zu Ernährung, beschrieben. Sie bietet darüber hinaus Informationen über den Standard der schulmedizinischen Behandlungen und viele Literaturtipps und Adressen. Eine praktische Begleitung für die vielen Aspekte rund um das Thema Endometriose. Infos und bestellen |
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